![]() | ![]() | ![]() |
| |
| ||||
| SCHUSTER BLEIB BEI DEINEN LEISTEN Wenn man von einer Band behaupten kann, dass sie alle Höhen und Tiefen des Musikbusiness durchlebt hat, dann heisst diese PINK CREAM 69. Denkt man an das erfolgreiche Debüt, wird es einem noch heute ganz warm ums Herz. Wohl jeder hatte damals den Karlsruhern den grossen Durchbruch prophezeit, doch leider standen die Sterne für die Band nicht ganz so gut.
Das siebte Studioalbum 'Sonic Dynamite' kam jedenfalls super an und bekam durchweg wohlwollende Reviews. Konnte die Band diesen Push auch nutzen, wollte ich von Alfred Koffler, dem Gitarristen der Band, wissen. Koffl: "'Sonic Dynamite' wurde recht ausführlich betourt. Die Tour mit AXXIS lief wirklich super gut und wenn ich ehrlich bin, hat keiner von uns so einen Erfolg erwartet. Egal, wo wir hinkamen, die Hallen und Clubs waren recht gut gefüllt. Bei ein paar Shows konnten wir sogar fast das 'Ausverkauft'-Schild hinhängen." Wundern müsste sich die Band eigentlich nicht, schliesslich haben sie mit den letzten beiden Alben wieder die Richtung eingeschlagen, die die Fans von ihnen erwartet haben. So dürfte das neue Album 'Endangered' den Fans der Combo richtig schmecken. Noch besser als auf den letzten zwei Alben kommt hier die Stärke der Karlsruher zur Geltung: Melodien werden gross geschrieben, womit mehr als nur ein potentieller Ohrwurm auf den Silberling gebannt wurde. Die Band befindet sich so gesehen wieder in Bestform. Ist so etwas planbar? Koffl: "Nein. Wir sind, wenn man das so sagen kann, immer etwas planlos. Wir schreiben Songs und meistens kommt dabei eine gute Mischung heraus. Man sieht das ja auch an den letzten Scheiben: 'Electrified' war ein sehr melodiöses Album, während wir auf 'Sonic Dynamite' einen Schuss Metal reingebracht haben. Das waren schon immer die zwei Seiten von PINK CREAM 69. Geplant wird aber von vornherein nie, wie ein Album ausfallen sollte. Vielleicht kann man bis zu einem gewissen Punkt sein Songwriting steuern, dennoch schreiben wir am liebsten nach Gefühl." Gibt es in der Band gar keine Vorgaben? Koffl: "Die einzige Vorgabe ist, dass es in irgendeiner Form nach PINK CREAM 69 klingen sollte", witzelt i der Gitarrist. Das Songwriterteam besteht in der Band hauptsächlich aus Alfred Koffler und Sänger David Readman. Insofern dürfte es da keine Probleme bei der Stilausrichtung geben. Koffl: "Es ist nicht so, dass David und ich wie Diktatoren die Songs vorgeben und die anderen daran nicht mitarbeiten. Jeder bringt seine Einflüsse in die Band ein. Manchmal sind die Songs halt schon zum Grossteil fertig und ein anderes Mal ist noch recht viel an den Songs zu ergänzen. Das kommt eben auf jede einzelne Idee an. Aber im Grunde ist es bei uns schon immer das Teamwork, das die Songs letzten Endes ausmacht." Irgendwie bleibt das Intro der neuen Scheibe 'Endangered' sofort in den Gehörgängen kleben, schade, dass daraus kein richtiger Song geworden ist. Koffl: "Dieses Teil hatten wir ursprünglich als Ausklang der Scheibe gedacht. Da aber jeder, der diese Melodie gehört hatte, total begeistert war, haben wir das Ding zum Intro umfunktioniert. Vielleicht hätten wir diese Melodie doch aufheben und daraus einen Song fürs nächste Album schustern sollen", sinniert Mr. Koffler. Die Alben 'Change' und 'Food For Thought' wurden von den Fans nicht sonderlich gut aufgenommen. Doch mit den drei letzten Scheiben konnte sich die Band ihre Fans wieder zurückerobern. Können sich die Pinkies trotzdem vorstellen, bei einem Album wieder Experimente zu wagen? Koffl: "Das war damals schon ein sehr drastischer Kurswechsel, zumal zusätzlich mit David Readman ein neuer Sänger bei uns am Start war. Aber wir haben daraus gelernt und so einen radikalen Wechsel wird es in Zukunft nicht mehr geben. Trotzdem werden wir in gewissen Grenzen nach rechts und nach links schauen und auch mal bei einem Song ein Experiment wagen. Es würde nämlich ziemlich langweilig werden, sich ständig zu wiederholen. Wir möchten uns selbstverständlich auch weiterentwickeln, ohne jedoch unseren von uns selbst vorgegebenen Weg zu verlassen. Es hat sich herauskristallisiert, dass wir die Musik, die auf den letzten drei Alben zu hören war, in der jetzigen Besetzung einfach am besten spielen können. Ich sage es mal so, diese Musik Wir möchten uns selbstverständlich auch weiterentwickeln, ohne jedoch unseren von uns selbst vorgegebenen Weg zu verlassen. Es hat sich herauskristallisiert, dass wir die Mu-sik, die auf den letzten drei Alben zu hören war, in der jetzigen Besetzung einfach am besten spielen können. Ich sage es mal so, diese Musik macht die Magie der Band aus. Wie heisst es so schön, Schuster bleib bei deinen Leisten und das beherzigen wir jetzt auch." Die Fans werden da nicht böse sein, schliesslich haben die meisten nichts anderes von PINK CREAM 69 erwartet. Koffl: "Es gab durchaus auch viele Fans, die 'Change' und 'Food For Thought' recht positiv aufge- jm>\ nommen haben", wehrt sich der Gitarrist. "Die Erwartungen der Mehrzahl lagen aber ganz klar bei dem Stil, den wir auf den ersten drei Alben gespielt hatten. Es gibt eben mal eine Erwartungshaltung von den Fans und so gesehen stehst| du als Band immer ein wenig unter Druck. Trotz allem waren PINK CREAM 69 immer selbstbe- wüsst genug, um das zu machen, was | eben gerade mal Spass machte. So sind dann auch Alben wie 'Change' und 'Food For Thought' zustande gekommen. Ich denke, dass man diese A so von uns nicht erwartet hatte, weswegen sie auch dann von vielen nich akzeptiert wurden. Die Fans waren uns aber immer wichtig und infolgedessen haben wir uns auch mit 'Electrified' auf das zurückbesonnen. was wir am besten können." Der Erfolg von 'Electrified' spricht mehr als tausend Worte. Seit diesem Album geht es wieder auf-wärts mit PINK CREAM 69 und die Karlsruher wissen, was sie ihrem Publikum schuldig sind. Koffl: "Das Publikum ist jeder Band wich-| tig. Aber der Grat, auf dem man sich da bewegt, ist immer recht schmal. Wenn nämlich keine Entwicklung mehr in der Band stattfindet und jedes Album gleich klingt, wird ei- nen der Erfolg wahrscheinlich auch recht schnell verlassen. Wir möchten in diese Sackgasse erst gar nicht geraten. Insofern wird es auch weiterhin immer zwei oder drei Songs geben, die das Spektrum unserer Musik etwas erweitern." Da ist den Jungs mit dem neuen Album 'Endangered' wohl ein guter Wurf gelungen. Von den typischen PINK CREAM 69 Groovern ('Promised Land', 'Don't Need Your Touch') über Doppelbass- Kracher ('Enslaved') bis zu baUadesken Songs wie 'In My Dreams' oder 'One Time Is Not Enough' ist nämlich wieder alles enthalten, was PINK CREAM 69 ausmacht. Koffl: "Es war ja schon immer ein Markenzeichen von PINK CREAM 69, dass wir innerhalb unserer Schiene eine sehr breite Mixtur gefahren haben. Dementsprechend ist 'Endangered' ein typisches PINK CREAM 69-Album geworden." Man hört auch immer wieder den Stil der einzelnen Musiker heraus. So ist recht schnell klar, wer DC Cooper auf seiner Soloscheibe unterstützt hat. Koffl: "Ja, ganz verleugnen lässt sich das nicht", lacht Herr Koffler. Wenn man alle Scheiben kennt, fällt auf, dass PINK CREAM 69 recht selten Coverversionen zum Besten gegeben haben. 'Detroit Rock City' dürfte da eine grosse Ausnahme gewesen sein. Mit 'Pinball Wizard' hat sich die Band an einen Klassiker herangewagt, der ihnen gar nicht schlecht gelungen ist, auch wenn der Song sich nicht ganz in den Stil der neuen Scheibe einreiht..* Koffl: "Wir haben eigentlich schon immer gerne mit Coverversionen herumexperimentiert. Meistens kamen die dann als Bonus auf irgendeine Scheibe. 'Pinball Wizard' hat es halt mal als regulärer Track aufs Album ge-schafft. David ist ein Fan der Seventies. Er liebt Bands wie THE WHO oder LED ZEPPELIN. Also hat er 'Pinball Wizard' zum Spass für sich aufgenommen und spielte uns seine Version im Proberaum vor. Seine Stimme passte hervorragend zu dem Song und so haben wir den Song ihm zuliebe einfach mal aufgenommen, obwohl keiner der Band daran geglaubt hat, das Ding auf die nächste Scheibe zu bannen. Vom Songwriting her ist 'Pinball Wizard' ganz anders als unsere eigenen Songs. Um aber eine gute Mischung auf 'Endangered' zu bekommen, haben wir uns entschlossen, 'Pinball Wizard' mit auf die CD zu nehmen. Mal sehen wie diese Version beim Publikum ankommt." Seit 1989 ist die Band im Business und hat in dieser Zeit sieben Alben veröffentlicht. Ist man da bei einer neuen Veröffentlichung immer noch aufgeregt? Koffl: "Man ist immer aufgeregt. Schliesslich weiss man erst was die Arbeit wert ist, wenn eine Scheibe veröffentlicht wird. Zudem fragst du dich als Songwriter nach jedem Album, ob du jemals noch mal eine Idee für einen guten Song haben wirst. Irgendwie hat man nach Beendigung der Aufnahmen das Gefühl, alle Ideen in ein Album gesteckt zu haben. So gesehen ist jede neue Scheibe eine Herausforderung. Schliesslich will man auf allen Produktionen gutes Songmaterial haben und man ist am Anfang immer gespannt, ob einem das überhaupt gelingt. Aber ich bin auch immer wieder froh, dass unsere Alben seit Jahren viele gute Songs hervorgebracht haben. Erstaunlich, wo immer wieder die guten Ideen herkommen", lacht Alfred. Es ist jedesmal etliche Zeit zwischen den Alben vergangen. Womit verbringt eine Band wie PINK CREAM 69 diese Schaffenspausen? Koffl: "Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass wir zu 100 Prozent von unseren CD-Verkäufen leben könnten. Aber zum Glück arbeiten wir alle nebenher in der Musikbranche. Dennis produziert mittlerweile viele Bands und er hat sichschon einen ganz guten Namen im Business gemacht. Kosta arbeitet bei Bottom Row und David spielt ne-benher in Coverbands. Zusätzlich arbeiten wir immer mal wieder für andere Musiker, wie zum Beispiel für DC Cooper. Aber trotz allem steht PINK CREAM 69 für jeden an erster Stelle. Die Band ist unsere Familie und an dieser hängen wir alle schon sehr." PINK CREAM 69 gehörte zu den Bands, denen man zu Zeiten von 'One Size Fits All' den grossen Durchbruch zugetraut hatte. Leider trugen einige ungünstige Umstände dazu bei, dass der Erfolg der Band wie bei den Kollegen AXXIS oder BONFIRE stagnierte. Dem ungeachtet gibt es die Band noch immer und sieht man es von der positiven Seite, können sich die Karlsruher seit über zehn Jahren im Haifischbecken des Musikbusiness bewähren. Glaubt die Band selbst noch an den grossen Durchbruch? Koffl: "Wir glauben natürlich immer noch daran, nur sehen wir es nüchterner. Es ist halt leider unrealistisch, so zu denken, betrachtet man sich die Musikszene momentan. Unsere Art von Rockmusik hat eben lange nicht mehr den Stellenwert, den sie noch zu Zeiten unseres Debüts hatte. Damals gab es Tausende Bands, die diese Musik gemacht haben und selbst auf MTV konntest du jeden Tag Videos von solchen Acts sehen. Heute wird Heavy Rock von den Medien eher totgeschwiegen und der Markt ist für diesen Stil eher wieder auf eine Minderheit begrenzt. Hardrock ist so gesehen in den Underground gerutscht und mit dem müssen auch wir klarkommen. Trotz allem sind wir mit vollem Herzen dabei und das alles ändert auch unsere Liebe zur Musik nicht im geringsten." Hört man sich 'Endangered' an, stellt man fest, dass auch auf diesem Album ein paar Songs sind, die durchaus das Zeug zum Hit hätten. Argerlich eigentlich, bedenkt man, was aus so einer Produktion werden könnte, wenn man von den Medien einen richtigen Support bekommen würde. Koffl: "Wenn man darüber nachdenkt, ist das schon frustrierend", gibt Koffel zu . "Aber man muss einfach Musik und Business trennen. Ich höre bisher auf mein Herz, denn wenn ich das Ganze zu sehr von der Business- Seite sehen würde, müsste ich frustriert sein und aufgeben. Vom Grossteil der deutschen Radiolandschaft werden wir totgeschwiegen und ich glaube nicht, dass sich da in nächster Zeit was ändern wird. Ich lasse aber solche Tatsachen nicht an meine Musikerseele heran, sonst könnte ich ja nur noch depressive Songs schreiben, hahaha. Nach wie vor hoffen wir, dass der Erfolg des Hardrock irgendwann wieder zurückkommt. Wobei man ganz klar sagen muss, dass Rockmusik nicht tot ist. Es gibt zum Glück für unsere Musik ein sehr dankbares und vor allem treues Publikum. Man sieht ja auch an den Festivals, dass es noch genü-gend Fans dieser Richtung gibt. Schliesslich sind die Open Airs immer richtig gut besucht." Autor:
Dietmar Pfister | |||||
|