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Interview mit Pink Cream 69
in Rock Hard #11, 1989 Wenn
man in 10 Jahren von wichtigen deutschen Hard-Rock-Bands sprechen wird, könnte
eventuell der Name PINK CREAM '69 fallen. Dass man zumindest jetzt schon im Gerede
ist, ist auf ein mehr als bemerkenswertes Debütalbum zurückzuführen,
dass das aber auch in Zukunft so bleibt, dafür sollen musikalische Potenz
und ehrliche Arbeit sorgen. "Wir
haben PINK CREAM '69 ins Leben gerufen, um davon eines Tages leben zu können'."
stellt Sänger Andy eindeutig klar. "In Deutschland wird man etwas von der
Seite angeguckt, wenn man sein Brot als Musiker verdienen will. Die Toleranz ist
hier nicht gerade vom Feinsten. Jeder von uns hat schon vorher in einigen verschiedenen
Bands gespielt und so haben wir relativ viel Erfahrung. Mit Kosta Zafiriou (Drums)
beispielsweise, spiele ich schon über zwei Jahre zusammen, wenig später
kam dann Alfred Koffler (Gitarre) dazu. Unseren Bassisten Denis Ward haben wir
durch den "Guitar-Player" kennengelernt, das war echt witzig. Er war gerade mal
vier Monate in Deutschland, hatte vorher jahrelang als Sessionmusiker die US-Clubs
beackert. Wir verabredeten uns auf der Autobahnraststätte Bruchsal. Als wir
da ankamen, stand da so ein total abgewracktes, langhaariges Wesen in zerfressenen
Jeans, das ganz in die Motorhaube seines Wägens vertieft war. Der war da
am rumschrauben und sab wirklich aus wie die letzte Sau, und obwohl wir uns bis
dahin nicht kannten, wussten wir sofort, der musste es sein!! Dann kamen erstmal
Sprüche wie "Wir wollen einen Bassisten, keinen Schraubenkiller!", aber nach
'ner halben Stunde war eigentlich klar, dass er unser Mann ist. Wir lagen einfach
auf der gleichen Wellenlänge, von da an begannen wir als PINK CREAM '69!"
Ein mehr als aussergewöhnlicher Name für eine Hard-Rock-Band! "Das war
alles Zu-fall! Ich war in einem Restaurant mit ein paar Kumpels und wollte mir
einen Cocktail 'reinzischen. Auf der Karte war dann halt ein Cocktail mit dem
Namen und mehr so aus Scherz sagte ich: "Das wäre doch ein guter Bandname!".
So hatten wir urplötzlich unseren Namen, das Ganze hat also keinen tieferen
Sinn. Wir wollten vor allem einen, der nicht die üblichen uBlood/Witch/Kilf/Dea
tb "-Begriffe enthält, sondern etwas aussergewöhnliches. Wir wollen
auch nicht den grossen Star heraushängen lassen, sondern zusammen mit den
Fans Parties feiern." Etwa eine Party-Band aus Deutschland? "Ich würde lügen,
wenn das nicht so wäre. Wir stehen halt lieber grinsend auf der Bühne
und haben Spass, als dass wir todernst unser Ding runterprügeln. Deshalb
kommt bei unseren Gigs oftmals Party-Stimmung auf und das ist gut so." Die CBS
hat mit euch sicherlich einen guten Fang gemacht, wie aber kommt man als unbekannte
Band zu einem solchem Deal? "Es ging nach Schema F mit den ganzen Plattenfirmen!
Firma A kam und zahlte Demo A, dann kam Firma B und zahlte Demo B, falls Firma
A nicht mehr interessiert sein sollte. Endkonsenz war halt, es war viel Blabla
dabei, bis endlich das geschah, was jeder erhofft hatte: Es kam endlich jemand,
der nicht nur redete, sondern auch handelte. Die CBS nahm uns live unter die Lupe
und uns daraufhin NICHT sofort unter Vertrag. Man wollte erst abwarten, wiewir
uns in den nächsten Monaten entwickeln würden, für die Startvoraussetzungen,
die die CBS gibt, musste man halt besser vorbereitet sein. Damals habe ich das
nicht verstanden, heute weiss ich, dass es so besser war und wohl auch der einzige
und richtige Weg. Die ganzen Demosessions haben uns eigentlich erst gezeigt, dass
wir noch viel zu lernen hatten, weit mehr als wir vermuteten und wir haben hart
gearbeitet, was man der Platte hof-fentlich anmerkt." Zweifellos, doch zum Erfolg
des Erstlings trägt sicherlich auch die frische, straighte Produktion bei,
beste Handarbeit aus dem Hause Steffens! "Dirk Steffens hat den Grossteil der
Produktion übernommen, die Band hat aber enorm mitgeholfen. Wir waren wirklich
tierisch am Tüfteln, damit der Sound nicht überladen wirkt. Ich meine,
die Platte klingt ziemlich live und das war auch das, was wir bezwecken wollten.
Mir ist lieber, im Sound sind ein paar Ecken und Kanten, man hört ein paar
kleine Disharmonien, als das alles bis zum letzten Ton perfektioniert ist. Wir
wollten vor allem auf die momentan so üblichen Chorsampling-Sachen verzichten,
man muss dann schon ein Wahnsinnsequipment auffahren, um das auch live zu bringen,
und im Endeffekt werden die Leute doch nur verarscht. Bei uns werden alle Chöre
live gesungen und damit basta. Falls jemand hört, dass wir jemals einen Chor
gesampelt haben, darf er uns eigenhändig eins in die Fresse hauen, man darf
mich beim Wort nehmen! Für mich sind die Sachen, die da momentan teilweise
ablaufen, einfach kein Rock'n'Roll mehr, im Prinzip kann man dann doch auch einen
Plattenspieler laufen lassen und hampelt dazu rum, oder man macht nur noch reine
"Formel l"-Playback-Shows, aber das ist doch alles Schwachsinn und Betrug. Man
tritt doch jeder Band ins Gesicht, die sich den Arsch abrackert, damit sie den
Sound einigermassen getreu hinkriegt, und dann stellt sich irgendein Arsch hin
und fährt die totalen Samplings ab und hat einen perfekten Sound." Hoffen
wir, dass die Jungs die guten Vorsätze beibehalten, ansonsten...
Dank
guter Promotion und des Glaubens, den die CBS an diese Band hat, werden PINK CREAM
'69 nicht das Schicksal vieler anderer Bands erleiden. Dass wir alle schon schnell
Gelegenheit haben werden, uns von der Wahrheit der vorangegangenen Aussagen zu
überzeugen, werden die kommenden Aktivitäten von PINK CREAM '69 zeigen.
"Wir gehen im Oktober als Vorgruppe von WHITE LION in fast ganz Europa auf Tour.
Das ist natürlich eine Riesensache für uns, irgendwo passen wir auch
musikalisch gut zusammen. Im Januar wird unser Album dann auch weltweit von der
CBS veröffentlicht, und dann geht es sicherlich noch weiter bergauf!!!" Veröffentlicht:
"Rock Hard", #11, 1989 Autor: Frank Trojan | |