Pink Cream 69
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Rente mit 24

Pink Cream 6920 Jahre rocken PINK CREAM 69 schon durchs Universum, bringen gerade mit "In10sity" ihr zehntes Album raus und mussten in ihrer Karriere nicht nur einen Sängerwechsel und gesundheitliche Rückschläge, sondern zu guter Letzt auch noch einen Computercrash verkraften, der die Veröffentlichung der neuen Scheibe erschwerte.

Aber auch das konnte die Pinkies nicht wirklich aus der Ruhe bringen, wie Sänger David Readman erzählt.

"Zuerst standen wir unter Schock, weil wir nicht wussten, welche Aufnahmen nicht mehr existierten. Als dann die ganze Software neu installiert war, stellten wir fest, dass glücklicherweise nur die Aufnahmen der Backing Vocals zerstört worden waren. Es war also keine komplette Katastrophe, aber der Vorfall setzte uns unter Zeitdruck, denn wir mussten die Parts innerhalb von zwei Tagen neu aufnehmen. Das Bizarre an der Sache war, dass wir uns ausgerechnet ein paar Tage vorher über das Thema "Computerabsturz" unterhalten hatten, doch Dennis Ward (Bassist und Produzent - jr) ist immer vorsichtig und speichert die Daten ständig ab. Zwei Tage später passierte das Unglück trotzdem. Man sollte wohl besser nicht über solche Dinge sprechen, hahaha! Mittlerweile ist das aber Schnee von gestern."

Gut arrangiert hat man sich auch mit der Handverletzung von Gitarrist Alfred Koffler, die vor ein paar Jahren erstmals auftrat und die Fähigkeiten des Musikers seitdem einschränkt.

"Im Studio spielt das keine Rolle, er ist immer noch ein toller Gitarrist und hat viel für die neue Platte beigesteuert. Auf der Bühne hat ihm das Problem mit seiner Hand allerdings den Spass verdorben, also holten wir mit Uwe Reitenauer einen zweiten Gitarristen zur Entlastung, der nun festes Mitglied bei PINK CREAM 69 ist. Alfred war bei vielen Ärzten in ganz Deutschland, aber wirklich verschwunden sind die Beschwerden nicht. Sie sind aber auch nicht schlimmer geworden, und ich habe den Eindruck, dass er sehr gut damit umgeht. Am Anfang war seine Situation für uns ein Schock, aber es ist kein Problem gewesen, einen zweiten Gitarristen anzuheuern. Und Uwe macht nicht nur unseren Sound fetter, sondern bringt auch neues Leben und neue Ideen in die Band."

Von Reitenauer stammt auch der Titel der Jubiläumsscheibe, die für den erst ein paar Jahre nach der Gründung bei PINK CREAM 69 eingestiegenen Readman eigentlich "nur" ein ganz normales siebtes Album ist. Er kann aber bereits auf zwölf erfolgreiche Jahre mit der Band zurückblicken.

"Als ich bei PINK CREAM 69 Mitglied wurde, waren wir bei Sony unter Vertrag, konnten in Amerika unsere Platte aufnehmen und drehten zwei Videoclips. Mit "Food For Thought" lief es dann nicht ganz so rund, wir verliessen Sony und waren damit beschäftigt, uns selbst zu finden, weil wir nicht genau wussten, in welche Richtung wir gehen wollten. Unser Livealbum bescherte uns schliesslich eine Art Widergeburt, denn viele Fans stellten bei der Tour fest, dass wir immer noch rocken und ich die alten Songs, die mit Andi Deris (jetzt bekanntlich bei Helloween - jr) aufgenommen wurden, gut singen kann. Mit dem nächsten Studioalbum "Electrified" machten wir einen Schritt zurück zu den Wurzeln von PINK CREAM 69, der uns weit nach vorne brachte. Wir tourten mit Axxis, traten in Amerika, Japan und Brasilien auf und spielten auf dem Sweden Rock. Wir können uns nicht beschweren; unsere Zusammenarbeit klappt sehr gut, weil wir nicht nur Musiker-Kollegen sondern auch Businesspartner sind, die die Zügel selbst in der Hand halten. Der "In10sity"-Vorgänger "Thunderdome" kam super an, und für das aktuelle Album haben wir uns auch wieder bemüht, nur unsere besten Songs zusammenzutragen."

Das ist absolut gelungen, denn "In10sity" überzeugt wieder einmal durch eingängige Melodien und knackige Riffs, die auch bei der für den Herbst geplanten Tour für volle Hallen sorgen werden. Trotz dieser guten Aussichten ist der Frontmann, der auch als Gesangslehrer arbeitet, immer noch nicht ausgelastet und zeigt auf seiner Homepage Interesse an weiteren musikalischen Projekten.

"Ich habe dieses Thema auf meiner Homepage erwähnt, weil sich viele Leute gar nicht trauen, mich anzusprechen. Vielleicht finde ich auf diese Weise etwas Interessantes. Ich bin gerne unterwegs, habe ja schon bei einer Band namens Adagio gesungen und könnte mir vorstellen, bei einem Projekt mitzumachen, dessen Musik zu meiner Stimme passt, ohne nach einer Kopie von PINK CREAM 69 zu klingen. Es könnte sogar eine Band mit Siebziger-Touch sein. Ich habe allerdings nicht vor, zehn Platten im Jahr einzusingen, wie das manche meiner Kollegen machen."

Auch als Co-Writer betätigt sich Arbeitstier Readman zwischendurch, so geschehen beim Place-Vendome-Projekt mit Michael Kiske. Die hitzige Diskussion wegen Kiskes Anti-Metal-Statements hat David natürlich mitbekommen.

"Als Internetfreak habe ich teilweise mitverfolgt, was da abging, aber wirklich viel kann ich nicht dazu sagen. Ich weiss ungefähr, was Michael denkt, er hat ja schon die letzten zehn oder sogar fünfzehn Jahre diese Meinung vertreten. Trotzdem kann ich mich nicht grossartig dazu äussern, da ich nur im Hintergrund an zwei Songs mitgearbeitet habe."

Die Lust an harter Musik dürfte PINK CREAM 69, im Gegensatz zu dem Kollegen, nicht so bald vergehen.

"Das Einzige, das uns stoppen könnte, wäre unser Alter. Aber Rockmusik kann man Gott sei Dank relativ lange machen, während HipHopper ja schon mit 24 Jahren in Rente gehen müssen, hahaha!"

Veröffentlicht: "Rock Hard", #240, 2007
Autor: Jenny Rönnebeck

 
 
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